Die meisten von uns, egal ob sie erst ein Jahr oder schon über ein Jahrzehnt dabei sind, können sich ein Leben ohne Märkte kaum noch vorstellen. Dabei sind die Motivationen für jede*n von uns ein wenig anders. Deshalb wäre es vielleicht nicht schlecht, die Meinungen von einigen unserer Mitglieder zu diesem Thema zu hören:
“ Ich bin jetzt seit ungefähr 2019 regelmäßig auf Märkten mit dabei und gehöre ganz klar zu denen, die sich den Sommer nicht mehr ohne vorstellen können. Über dieses Hobby habe ich schon so viele wunderbare Menschen kennengelernt, mit denen das Zeit verbringen jedes Mal eine Freude ist. Ich liebe das Entschleunigen, den alltäglichen Wahnsinn und die kleinen Dinge zwischendurch. “ – Nathalie
“Für mich sind die Märkte jedes Mal wie ein kleiner Urlaub. Man kommt aus seinem Alltag raus, kann das Handy mal stecken lassen und im Idealfall einfach nur die Sonne genießen. 2021 habe ich meinen Weg auf die Mittelaltermärkte gefunden, seit 2022 bin ich Mitglied bei SkaPi und habe seitdem einige der wunderbarsten Menschen an meiner Seite, die ich nicht mehr missen möchte.“ – Slayer
Die Tannenburg ist eine wiederaufgebaute Burg in Nordhessen. Der Verein „Lebendige Burg e.V.“ kümmert sich um die Instandsetzung und Bewirtschaftung der Burg und des Geländes.
Finanziert wird der Auf- und Umbau durch Spendengelder und Veranstaltungen. So kann die Burg für Hochzeiten und Geburtstage gemietet werden.
Oder eben für ein mittelalterliches Wochenende! So fahren wir jedes Jahr für vier Tage dorthin, kleiden uns in unsere Gewänder und schlafen im Schlafsaal.
Tagsüber gibt es Handwerkskurse, Tanzen oder Kämpfen. Abends wird gemütlich in der Kimenate gesessen, zusammen getrunken und gelacht.
Die Burg bietet volle Verpflegung und moderne Duschen. Im Schlafsaal schlafen die meisten auf Feldbetten und in Schlafsäcken.
Darüber hinaus kann man sich für ein paar Tage fühlen, wie echte Burgbewohner. Und jedes Jahr ist dies unser Highlight!
Wir sind Lageristen und Kämpfer.
Auf Märkten lagern wir mit unseren Zelten und Waffen. Für die Besucher stellen wir das Leben um 1291 nach. Dazu zählt auch das Kochen im Lager oder Handarbeiten als Zeitvertreib.
Seien wir ehrlich, viele Märkte wären nur halb so schön ohne das Tanzen (laut der Meinung dieses Autors). Dabei tanzen wir nicht nur viele “Klassiker” der Renaissance, wie zum Beispiel den Tourdion, sondern auch viele jüngere Tänze aus dem English Country Dance.
Das Tanzen auf Märkten wurde bei uns vor knapp zehn Jahren von Oliver losgetreten und hat seitdem nie seinen Reiz verloren. Mittlerweile sind viele von uns nicht nur enthusiastische Tänzer*innen, sondern auch durchaus effizient im Anleiten und “Tanzmeistern”. Wenn es also mal auf einem Markt hoch hergehen soll, egal ob anfängerfreundlich oder für Veteranen der gepflegten rhythmischen Körperbewegung, könnt ihr euch immer mit uns rechnen. Auch bei Regen oder Hitze finden wir für alles den richtigen Tanz.
“Eeeinnne Hand an den Ball…”
Wenn diese Worte ein Zucken in euren Armen auslösen, habt ihr vielleicht schon einmal beim Bruchenball mitgemacht.
Für alle anderen:
Bruchenball ist, wie der Name schon sagt, ein Ballsport. ‘Bruche’ bezieht sich dabei auf das Kleidungsstück. Salopp gesagt, die “mittelalterliche Unterhose”, das Beinkleid, das im Direktkontakt zur Haut steht. Klassischerweise trägt man beim Bruchenball nur dieses Kleidungsstück, heute raten wir im Generellen zu eng anliegenden Hosen oder Bruchen, sowie im Zweifel zu passender Oberbekleidung.
Die Hauptakteure im Spiel sind die (meist) zwei Mannschaften à vier Personen, die versuchen, den ‘Bruchenball’ über die Ziellinie in das Feld des Gegners zu befördern. Dazu wird viel Taktik, Durchhaltevermögen, Kommunikation und auch Kraft gebraucht- der Ball wiegt nämlich meistens um die 40 – 50 Kilogramm.
Wenn euch die Beschreibung bisher nicht abschreckt, seid ihr vielleicht genau die Unterstützung, die unser Team auf dem nächsten Markt gebrauchen könnte. Also auf geht’s, wir sehen uns auf dem Platz!
Auf den Märkten, auf denen wir die Möglichkeit haben, aufzutreten, bieten wir im Anschluss ein sogenanntes Schnuppertraining an.
Dieses dauert ca. 30min und ist kostenlos.
Je nach Größe des Kampfplatzes haben Interessierte aus dem Publikum die Chance, ein Schwert in die Hand zu nehmen und die Grundlagen der Verteidigung zu lernen.
Um am Schnupperkurs teilnehmen zu können, musst du über 14 Jahre alt sein und darfst nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol stehen.
Zelte
Unsere Zelte bestehen aus Baumwolle. Viele sind vorimprägniert, damit Wasser draußen bleibt. Die schwarz-weiße Färbung ist durch unser Banner bedingt.
Es gibt viele unterschiedliche Formen und Größen. Vom kleinen Kegelzelt mit 3,5m Durchmesser über runde 4m-Zelte mit Stehhöhe und eckige 4m Zelte mit Innengestänge bis hin zum 4x6m großen Vereinszelt, in welchem wir Essen und unsere Freizeit verbringen.
Kleidung
Wir orientieren uns an dem Jahr 1291. Authentisch sind wir nicht, aber wir bemühen uns, nah dran zu bleiben.
Das gilt für die natürlichen Materialien, wie auch für den Schnitt. Nicht so sehr für die Farben und Kopfbedeckungen.
Wir verwenden Leinen und Wollstoffe. Baumwolle findet man auch häufig, hat allerdings für unsere Breitengrade keine tollen Eigenschaften.
Viele von uns nähen selbst. Für den Einstieg sind gekaufte Sachen allerdings auch in Ordnung (außer es ist Polyester! Damit kommst du bei uns nicht rein.)
Geschirr
Es gibt eine Vielfalt an Geschirr. Die häufigsten Materialien sind Holz und Ton. Manchmal findet man auch einen Zinnbecher.
Die Grundlegende Ausstattung besteht aus einem Teller, einer Schüssel und einem Becher. Dazu noch ein Messer und einen Löffel. Gablen oder Pieker sind optional. Es gibt eh meist Eintopf.
Das Besteck ist aus Metall oder Holz (Löffel). Manche schwören auf geschmiedete Teile.
Schlafen
Ja, wir schlafen in den Zelten. Und ja, auch bei niedrigen Temparaturen und bei Regen. Dabei gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Es gibt Lageristen, die mit richtigem Holzgestell und Matratzen anreisen. Es gibt aber auch die klassische Luftmatratze mit Schlafsack.
So oder so gibt es viele Decken und manchmal schläft man unter allen Klamotten, die man besitzt. Aber das macht den Reiz aus.
Frühstück
Um acht Uhr wird das Lager von dem Geräusch von splitterndem Holz geweckt. Jeder weiß: jetzt dauert es nicht mehr lange bis zum Frühstück!
Über dem Feuer hängen zwei Töpfe: einer ist mit Wasser gefüllt, der andere mit Milch.
Das Wasser wird für Kaffee oder Tee verwendet oder nach dem Frühstück für den Abwasch. In die Milch kommen nun eine große Menge Haferflocken. Das wird schnell zu einem zähen Brei. Dieser kann nach Belieben mit Nüssen, Honig oder Obst verfeinert werden.
Abwasch
Auf Mittelaltermärkten gibt es keine Geschirrspühlmaschinen. Hier wird über dem Feuer ein großer Topf Wasser erhitzt und ein Mensch mit geringer Hitzetoleranz schrubbt dann jeden Teller, jeden Löffel und jede Tasse per Hand.
Fleißige Helferlein trocknen ab und sortieren alles wieder in den Schrank ein. Zwei Mal am Tag.
Zeitplanung
Die Morga (kurz für Markt-Orga) plant den Markt und kümmert sich darum, dass wichtige Termine eingehalten und Ansprachen besucht werden.
Normalerweise rekapituliert die Morga beim Frühstück den Plan des Tages. Allgemeine Termine werden dabei schriftlich festgehalten und im Lager ausgehängt, damit man sie nicht vergisst.
Mittagessen vorbereiten
Je nach Markt sind wir zwischen 20 und 40 Menschen (+/- ein paar Kinder). Die wollen alle versorgt sein. Für so viele Menschen zu kochen ist schon auf einem „nomalen“ Herd eine Herausforderung – über dem unstedten Feuer nochmal besonders.
Damit unser Koch/ unsere Köchin nicht kiloweise Gemüse alleine schneiden muss, gibt es immer fleißige Helfer.
Auftritte
Zweimal im Jahr dürfen wir auf Märkten unser Können zeigen. Einmal in Barmstedt zu Beginn der Saison und einmal über Pfingsten.
Die Auftritte dauern eine halbe Stunde. Mit Aufwärmen, Umziehen und Besprechung vorweg und einer nachbesprechung hinterher landen wir schon bei einer Stunde oder mehr.
Bei zwei bis vier Auftritten pro Tag kann das ganz schön Anstrengend sein. Da ist es besonders wichtig, dass alle mit anpacken.
Was du allererstes brauchst ist Interesse.
Alles andere kommt nach und nach.
Wir empfehlen dir, dich ein bisschen über die Zeit zu informieren, damit du beim Kauf deiner Ausstattung nicht daneben greifst.
Du brauchst ein Untergewand aus Leinen (meist weiß oder natur). Bei Frauen sind das Beinlinge bis zum Knie und ein Unterkleid. Bei Männern Beinlinge bis zur Hüfte, eine Bruche (Leinenhose) und eine Leinentunika.
Dazu kommen dann bei Frauen ein Farbiges Überkleid und bei Männern eine Farbige Übertunika. Beides sollte entweder Wolle (für kalte Tage) oder ebenfalls Leinen (für warme Tage) sein.
Damit seid ihr bereit für euer erstes Abenteuer.
Eine Schüssel und ein Becher aus Ton sind zu empfehlen. Dazu einfaches Besteck. Für den ersten Markt geht auch das Besteck von Zuhause.
Ein eigenes Zelt oder ein Schwert empfehlen wir ausdrücklich noch nicht. Hier sind die Kosten einfach zu hoch für Fehler. Es gibt sicher noch freie Plätze in einem der Mitgliederzelte.