Grundlegend lässt sich Schwertkampf in der Mittelalterszene in zwei Gruppen aufteilen: Das HEMA und den Schaukampf.
HEMA (Historical European Martial Arts) konzentriert sich auf die Rekonstruktion europäischer Kampftechniken. Techniken werden angewendet, um echte Körpertreffer zu erzielen und damit einen Kampf nach Punkten für sich zu entscheiden.
Schaukampf hingegen konzentriert sich auf die ästhetische Darstellung eines Kampfes. Schläge mit dem Schwert gehen nie wirklich zum Körper, sollen von außen aber so wirken. Tritte und Schläge mit der Hand werden mit minimalstem Kontakt ausgeführt. Kämpfe werden frei gestaltet oder durch vorher trainierte Choreos festgelegt.
Wir betreiben Schwert-Schaukampf. Also die zweite Variante.
Auch wenn wir im Verein grob das 13. Jahrhundert darstellen, orientiert sich der Kampfstil nicht unbedingt an dieser Zeit. Für uns steht im Vordergrund, ein Publikum auf Mittelaltermärkten gut zu unterhalten. Dazu üben wir sowohl die Technik, als auch ein wenig Schauspielerei.
Natürlich ist der Schwertkampf trotzdem Sport. Ausdauer ist wichtig und eine gewisse Kraft in den Armen und Beinen ist vom Vorteil, um ein Schwert zu schwingen und sich flink zu bewegen.
Die Angriffe und Verteidigungen verhalten sich hierbei wie zwei Tänzer beim Paartanz. Der Angreifer führt und der Verteidiger reagiert entsprechend. Der Angreifer bestimmt durch seinen Schlag, was als nächstes passieren wird. Der Verteidiger reagiert mit einer passenden Parade oder spielt eine „Verletzung“ durch einen Schlag oder Tritt aus.
Ganz wichtig für uns ist das freie Kämpfen. Wir denken uns zwar auch Choreografien aus, diese beschränken sich aber meist auf fünf bis zehn Schläge und können jederzeit im Kampf eingebaut und in der Reihenfolge variiert werden. So garantieren wir, dass sich zwei Auftritte nie gleichen. Außerdem ist es ein Anspruch an uns selbst, so gut wie möglich die Reaktion zu trainieren, damit ein komplett freier Kampf ebenso gut funktioniert, wie eine Choreografie. Der Zuschauer soll nach Möglichkeit keinen Unterschied merken.
Jedes Training startet bei uns mit einer Aufwärmrunde. Das ist wichtig, um Verletzungen zu minimieren. Wir bewegen uns viel und können gezerrte Muskeln nicht gebrauchen.
Zum Aufwärmen gehört eine Joggingrunde in dessen Anschluss jeder eine Sportübung aussucht, die die Gruppe gemeinsam absolviert. Danach sucht jeder eine Dehnübung aus.
In zweiten Teil des Trainings wird zu den Schwertern gegriffen. Es folgt eine kurze Wiederholung aller sieben Angriffe und der dazugehörigen Verteidigungen. Dazu vollführt jeder für sich die Bewegungen langsam und achtet auf eine korrekte Ausführung. Im Winter können die großen Fenster der Halle prima als Spiegel genutzt werden.
Nach der Wiederholung finden sich die Schüler paarweise zusammen und kämpfen sich ein. Das Tempo wird dabei meist langsam erhöht. Das dient dazu, den Kopf auszuschalten und das Muskelgedächtnis zu aktivieren. Menschen, die aus dem Kampfsport kommen, kennen diese Übung bestimmt aus ihren jeweiligen Sparten.
Hier wird auf Variation geachtet. Neben den oben erwähnten vierzehn Grundtechniken gibt es noch Initiativwechsel, bei denen Angreifer und Verteidiger die Rollen tauschen. Dazu kommen noch vier Grundtechniken, um einen Gegner für eine Weile kampfuntauglich zu machen.
Eine dieser Techniken wird im vierten Block nochmal genau wiederholt. Der Fokus liegt hier auf den häufigsten Fehlerquellen und wie man sie vermeidet. Im Anschluss wird die Technik im Paar geübt.
Gegen Ende der Stunde gibt es einen sogenannten Kampfkreis. Hier steht der Fokus auf Stress und dient als Vorgeschmack auf einen richtigen Auftritt. Bei einer aufregenden Musik wird für eine gewisse Anzahl an Minuten gekämpft, ohne dass Pausen entstehen oder jemand aus der Rolle fallen darf. Dabei befindet sich ein Paar in der Mitte des Kreises. Alle anderen außenrum warten, bis einer der Kämpfenden rausgeworfen wird. Dann geht ein neuer Kämpfer in die Mitte. Auch wenn Fehler entstehen, müssen diese so überspielt werden, dass ein potentieller Zuschauer nichts davon bemerkt.
Es folgt eine Besprechungsrunde, die meist noch andere oranisatorische Themen mit sich bringt.
Ist dann noch Zeit, darf noch ein bisschen gekämpft werden. Hier entstehen häufig Ideen für Choreos oder neue Techniken.
Dann sind die zwei Stunden auch schon wieder vorbei.
Du willst bei uns mitmachen und hast schon einen Grundkurs gemacht oder möchtest einfach mal reinschauen, hast aber keine Ahnung was du mitbringen sollst? Kein Problem, hier bist du genau richtig!
Mit dem Trainer in Kontakt treten:
Für den Anfang ist es gut, wenn unsere Trainer Bescheid wissen, dass ihr vorbeikommen wollt. Wir passen unser Training dann entsprechend an, um euch auch mit einbinden zu können. Gerade wenn wir uns auf Auftritte vorbereiten, üben wir gezielt einzelne komplexe Elemente. Da wäre es sinnvoll, jemanden frei zu haben, der euch die Grundlagen näher bringt.
Zusätzlich haben wir eine Möglichkeit, euch Bescheid zu geben, sollte das Training spontan ausfallen. Niemand will vor einer verschlossenen Tür stehen und nicht wissen, was los ist.
Adresse raussuchen:
Wann muss ich eigentlich wo sein?
Wir trainieren jeden Donnerstag von 19:00 bis 21:00 in der hinteren Sporthalle (Halle B) der Johannes-Brahms-Schule Pinneberg
Da in der Schule auch anderweitige Events stattfinden, könnte der Parkplatz bereits voll sein.
Die Straße hoch befinden sich weitere Parkflächen an der Straße.
Oder kommt direkt mit den Öffis!
Der Bahnhof Pinneberg und auch die Busstationen „Fahltskamp“ und „Waldstraße“ sind ganz in der Nähe.
Ich packe meinen Koffer:
Keine Sorge, einen Koffer braucht ihr nicht! Allerdings folgende Dinge:
Das würde fürs Erste schon vollkommen reichen, Schwerter und Handschuhe können wir euch leihen.
Wenn ihr ein schaukampftaugliches Schwert (1 1/2 Händer) habt, könnt ihr das natürlich sehr gerne mitbringen, beachtet dazu bitte das Waffenrecht für Hieb & Stichwaffen im öffentlichen Raum.
Wenn ihr eure eigenen Handschuhe mitbringt, dann achtet bitte auf einen Knöchelschutz aus Hartplastik oder -Gummi. Dafür eignen sich Arbeits- oder Motorradhandschuhe gut.
Ganz viel Motivation, eine prise Humor und Eigenverantwortung
Aller Anfang ist schwer(t) und wir haben auch Tage, an denen es uns nicht leicht fällt, die paar Kilo Schwungmasse vom Schwert oben zu halten. Wenn die Arme schlapp werden, neigen wir zu stumpfen Witzen und Blödeleien. Dann ist es besonders wichtig, dass wir aufeinander achten, langsamer werden und Pausen einlegen. Gerade zu Beginn liefert Schaukampf eine Menge Input, was nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf anstrengend ist. Wenn du also eine Pause brauchst dann sag uns einfach Bescheid. Unkonzentriertheit und Schwerter aus Metall sind erfahrungsgemäß keine gute Kombination.
Folgendes braucht ihr noch NICHT beim ersten Training:
Wir empfehlen, erst mehrere Schwerter auszuprobieren, bevor ihr euch für ein eigenes entscheidet.
Dafür stellen wir vom Verein eine Reihe verschiedener Modelle von verschiedenen Schmieden.
Was ihr euch relativ schnell zulegen solltet, sind billige Motorradhandschuhe. Diese MÜSSEN über den Fingern und Knöcheln verstärkt sein. Beispielexemplare könnt ihr im Verein ausprobieren.
Wir trainieren mit Schwertern aus Federstahl mit stumpfen Schneiden und Spitzen.
Federstahl ist biegsam, aber stabil. Vor allem ist er leicht. Diese Eigenschaften sind beim Schwertschaukampf sehr wichtig.
Zum einen kann ein leichtes Schwert schneller und länger geschwungen werden. Zum anderen muss es die Kräfte, die beim Kontakt zweier Schwerter entstehen, abfangen können ohne Schaden zu nehmen.
Kontaktflächen beim Schaukampf sind die Schneiden. Ein zu weiches Material bekommt schnell Kerben. Ein zu hartes material kann abplatzen oder brechen. Deshalb sollte beim Kauf eines Schwertes immer darauf geachtet werden, dass es als „schaukampftauglich“ klassifiziert ist.
Wir verwenden in den meisten Fällen ein Eineinhalbhänder. Dieser kann ein- und beidhändig geführt werden. Zum einordnen, ob das Schwert zu einem passt, sollte man schon viele verschiedene Schwerter geschwungen haben. Man sollte wissen, ob man eher ein leichtes oder eher ein schweres Schwert möchte.
Als Richtwert für die Länge gilt: stellt ihr das Schwert mit dem Knauf auf den Boden, sollte die Spitze ungefähr auf Höhe eures Bauchnabels sein. Auch hier gibt es einen Spielraum für eigene Präferenzen.
Ob das Schwert nun eine Hohlkehle, eine gebogene oder gerade parierstange, einen runden oder eckigen Knauf haben soll, hängt ganz von euch und eurem Schmied ab. Einige Eigenschaften sind herstellungsbedingt vorgegeben.
Gebogene Parierstangen landen weniger in irgendwelchen Körperregionen, neigen aber dazu, das gegnerische Schwert einzufangen.
Eckige Knäufe liegen nur dann richtig in der Hand, wenn man das Schwert auch richtig hält. Sonst fühlen sie sich total merkwürdig an. Runde Knäufe erlauben ein einfacheres Drehen in der Hand, was bei schnellen Manövern hilfreich sein kann.
⚔️ Eineinhalbhänder (Bastardschwert)
Bezieht sich auf die Schwertführung und nicht die tatsächliche Länge.
Aufbau:
Nutzung:
⚔️ Einhänder (klassisches Schwert)
Bezeichnet alle einhändiggeführten geraden Schwerter.
Aufbau:
Nutzung:
⚔️ Zweihänder
Aufbau:
Nutzung:
🪵 Bo-Stab/Speer
Aufbau:
Nutzung:
🔪 Dolch
Aufbau:
Nutzung:
⚔️ Deutsches Langmesser
Aufbau:
Nutzung:
⚔️ Falchion
Aufbau:
Nutzung:
🛡️ Schilde
Aufbau:
Nutzung:
🪓 Axt (Kampfaxt)
Aufbau:
Nutzung:
Die Brüder Ingo und Peter haben den Verein mitbegründet. Sie waren selbst mal Schüler und geben ihr Wissen nun an die Nächsten weiter. Seit knapp zwanzig Jahren kämpfen sie nun schon.
Wahnsinn!